Sprüth Magers Berlin London

Cyprien Gaillard   Sprüth Magers Berlin   november 20 2009 - january 16 2010

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Monika Sprüth und Philomene Magers freuen sich, die erste Einzelausstellung von Cyprien Gaillard in Berlin präsentieren zu können. Im Rahmen der Ausstellung wird der 16mm Film ‘Cities of Gold and Mirrors’ (2009) gezeigt sowie die fotografischen Arbeiten ‘Geographical Analogies’ (2006-2009), die Gaillards Interesse an zeitgenössischen Landschaften als komplexen Orten des Verlusts, manifestiert durch Architektur, Monumente und Geschichte fortführen.

Der in der mexikanischen Stadt Cancún auf der Halbinsel Yucatán entstandene Film ‘Cities of Gold and Mirrors’ besteht aus einer fünfteiligen Sequenz, die mit dem Soundtrack der japanisch-französischen Zeichentrickserie ‘The Mysterious Cities of Gold’ aus den 80er Jahren unterlegt ist. Die Serie spielt im Südamerika des 16. Jh. zur Zeit der Ankunft der amerikanischen Eroberer. Dieser historische Schauplatz wird mit einem Plot verknüpft, der von einem archäologischen Interesse geprägt ist und zugleich Elemente des Science Fiction aufgreift. Die 1970 gegründete Stadt Cancún stellt für Gaillard einen Ort dar, der eine Atmosphäre des Anachronismus und Verfalls verströmt. So wie sich aus den jungen, feiernden US-amerikanischen Touristen, die wohl mit nur wenigen und konfusen Erinnerungen in ihre Heimat zurückkehren, ein zeitgenössischer Diskurs über Dekadenz und Niedergang herleiten lässt, stehen die auf den Ruinen des mächtigen Maya-Reichs errichteten Hotelbauten aus Stahl und Glas für ehemalige Zukunftsvisionen. Der nicht-narrative Aufbau des Films transportiert ein Gefühl der Verlorenheit und der Verschiebung von Zeit und Raum; die Stadt wird zu einem Palimpsest.

Der archäologische Blick des Künstlers auf Natur und Architektur lässt sich in seinem Werkkomplex ‘Geographical Analogies’ nachvollziehen: fixiert in Vitrinen, ähnlich der Präsentation archäologischer Artefakte, sind Polaroidaufnahmen verschiedener Schauplätze in einen Dialog gebracht. So entstehen Analogien zwischen unterschiedlichen Landschaften, durch Architektur bedingte Veränderungen und deren Bedeutungsverschiebung im Laufe der Zeit, beispielsweise zwischen Ausgrabungsstätten in Mexiko und Ägypten, Bunkerarchitektur des Zweiten Weltkriegs an der Küste der Normandie, sozialem Wohnungsbau in der Bronx oder Golfplätzen in Schottland. Die sich aus der Gesamtschau der Fotografien ergebenden Parallelen, ob sie auf optischen Entsprechungen, geografischen Verortungen oder politischen Inhalten beruhen, unterstreichen den Eindruck von Fragilität und zeigen die Vergänglichkeit der ursprünglichen Bedeutung von Architektur. Die somit implizierte Hierarchie der Schauplätze und deren repräsentative Relevanz werden somit negiert. Gleichzeitig funktioniert die Polaroidaufnahme als Medium der Dokumentation: das Bild wird vor Ort entwickelt und nimmt einen spezifischen Moment der Wahrnehmung auf. Im Laufe der Jahre wird jedoch auch das Medium selbst der Zeit unterworfen sein und verblassen, sodass seine Qualität als historisches Dokument hervortritt.

Cyprien Gaillard greift in seiner Arbeit auf unterschiedliche Medien wie Film, Video, Fotografie, Skulptur und Performance zurück. Seine jüngsten Arbeiten widmen sich der Dekonstruktion moderner Architektur der Nachkriegszeit und dem Verschwinden utopischer Ideale vor deren Hintergrund diese Bauten entstanden.

Cyprien Gaillard, 1980 in Paris geboren, lebt derzeit in Berlin. Jüngst war der Künstler mit Einzelausstellungen in der Kunsthalle Fridericianum, Kassel; Stroom Den Haag; FRAC Champagne-Ardenne, Reims vertreten (alle 2009). Weitere Einzelpräsentationen waren im Hayward Gallery Project Space, London (2008); dem Centre International d’Art et du Paysage, île de Vassivière (2007) sowie dem L’Atelier du Jeu de Paume in Paris (2007) zu sehen. Cyprien Gaillard war Teilnehmer der 5. Berlin Biennale (2008) und der Gruppenausstellung ‘Younger Than Jesus’ im New Museum in New York (2009). Eine weitere Einzelausstellung des Künstlers wird demnächst im Wexner Center fort he Arts, Ohio zu sehen sein, eine Zwei-Personen-Ausstellung mit Beteiligung von Cyprien Gaillard richtet das Hirshhorn Museum, Washington DC, USA aus (beide 2010).

Neben der Ausstellung von Cyprien Gaillard zeigt Sprüth Magers Berlin ‘HANDS AND/OR FEET (PART TWO)’ von John Baldessari sowie eine Ausstellung von David Maljkovic.

Für weitere Informationen zu den Ausstellungen, Interviewanfragen und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an Jan Salewski (js@spruethmagers.com).

Ausstellungseröffnung: 19.11.2009, 18 – 21 Uhr
Öffnungszeiten der Galerie: Di – Sa, 11 – 18 Uhr